Geschichte » Mittelalter » MA: Adelige-Ritter

Erziehung


Rechte und Pflichten des Ritters
Das erste ist, dass ein Ritter, der das Schwert mit einem Schlage zugeteilt bekommen hat und geheissen wurde, nie zu verzagen, arme Leute nicht berauben soll, noch würgen, beschatzen, erpressen und bewuchern.




Als zweites Vorrecht gebe man dem Ritter ein Ringlein von Gold und edeligem Gesteyne. Das Ringlein sei allrundherum zu, kreisrund, ohne Ende: So soll des Ritters Treue sein!


Drittens: einen frommen Knecht der Ritter habe. Der Knecht soll ihn ermahnen und erinnern, allzeit tugendhaft und gerecht zu sein, sich in harter Zucht zu halten und sich vor Trunkenheit zu schützen. Sollte ein Ritter allein gehen und sein Schwert selber tragen, so achtet man ihn für einen Bothil (Büttel), deshalb soll der Knecht das Schwert ihm nachtragen und stetlich bei ihm bleiben.
Des Ritters viertes Recht ist es, Gold und Spangen zu tragen an seinem Gewand.


Sein fünftes Recht ist wohl ein buntis cleid.


Sein sechstes Recht ist's und gar billig dazu, dass man ihn einen Herren nennent.


Sein siebtes Vorrecht ist es, dass man ihm nach dem Tisch das Wasser in die Hände giesst und er sich an einem reinen Handtuch trockne. Seine Hände wasche er stets rein von böser Gier und Unkeuschheit.

(nach Pleticha)
Im Mittelalter glaubte man, dass sich das Leben eines Menschen im Augenblick seiner Geburt entscheide. Darum war alles, was während der Geburtsstunde geschah (Gewitter, Todesfälle, Stellung der Gestirne, Sonnenfinsternis) von grösster Bedeutung. Die zuständigen Wahrsager deuteten die Ereignisse während der Geburt eines adligen Kindes und legten anschliessend fest, wo und wann das Kind erzogen und ausgebildet werden sollte. Bei Knaben bestimmten sie zudem, wo die Ausbildung zum Ritter erfolgen sollte. Der erste Abschnitt der Erziehung begann in der Regel mit dem fünften Lebensjahr. Eine hohe und gebildete Dame nahm sich des adligen Kindes an und erzählte ihm Heldensagen und Geschichten von ritterlichen Abenteuern. Wenn es ein Vater ermöglichen konnte, vertraute er seinen Sohn im Alter von sieben Jahren einem befreundeten Ritter an. In den folgenden Jahren lernte der Knabe nun als PAGE (Edelknabe) reiten, jagen, schiessen, klettern, schwimmen, springen, musizieren, singen, lesen, schreiben und sich am Tisch anständig benehmen. Im Alter von zwölf bis vierzehn Jahren wurde der Page in Gegenwart zahlreicher Verwandter durch einen Priester zum KNAPPEN geweiht. Der Bursche wurde nun an einen grösseren Hof geschickt. Unter Anleitung eines erfahrenen Ritters erlernte der Knappe dort das Kriegshandwerk. Dabei hatte er sich stets in unmittelbarer Nähe seines Herrn (Ritters) aufzuhalten und durfte auch im Kampfe bei grösster Gefahr nicht von seiner Seite weichen. Daneben hatte er aber auch andere Dienste für seinen Herrn zu verrichten, wie zum Beispiel Gäste empfangen oder bei Tisch zu bedienen. Die Ausbildung zum Ritter endete mit dem Tag der "Schwertleite". In einer feierlichen Zeremonie wurde der Knappe meist im 21. Lebensjahr zum RITTER geschlagen. In einem Gelübde versprach der junge Ritter, sein Leben lang für Recht und Wahrheit zu kämpfen und seinem König treu und gehorsam zu dienen.

Bei der Zeremonie der Schwertleite sprach der Priester zum in den Ritterstand erhobenen Knappen:

"Im Namen Gottes und Sanct Michaels und Sanct Georgs Ehr empfange diesen Schlag und keinen mehr, sei du biderbe (bieder) und gerecht, s'ist besser Ritter sein als Knecht."