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Glanz der Ritterzeit


Wiederum sind viele Jahre vergangen. Rudolfs Vater ist inzwischen gestorben. Rudolf ist an seine Stelle getreten. Sein Vater war ein umsichtiger Ritter. Er war darauf bedacht, die Einkünfte zu vermehren. So wurde seine Burg eine mächtige Burg und er ein geachteter und reicher Rittersherr. Sein Sohn ist in seine Fussstapfen getreten. Auch er ist ein guter Herr und gerecht zu seinen Untertanen. Sie lohnen es ihm durch Fleiss und hohe Steuererträge. So kann Ritter Rudolf dank seines Reichtums das ritterliche Leben voll geniessen. Er denkt ans Heiraten. Schon sein Vater wünschte sich Hedwig von Ramstein zur Schwiegertochter. Rudolf will den letzten Willen des Vaters getreu erfüllen. Um seine zukünftige Gattin das erste Mal zu besuchen, verkleidet er sich als fahrender Händler. So kommt er auf die Burg ihres Vaters. Als Händler kann er sich zwangslos mit ihr unterhalten. Doch auch der Moment der ernsten Rede kommt. Er tritt vor Hedwigs Vater und sagt: "Edler Hartmut! Deine Tochter ist voller Anmut und Güte. Ihre Vorzüge sind weitherum bekannt. Ich wünsche, Deine Tochter, Hedwig zu ehelichen. Ich möchte sie als Sonne und Glanz in mein Heim führen und ihr in Treue dienen ein Leben lang.
Ritter Hartmut, der den Willen von Rudolfs Vater kennt, willigt ein. Nach einer rauschenden Hochzeit wird Hedwig Burgherrin auf Wertenstein. Eines Tages kommen Boten des Herzogs auf die Burg. Sie verkünden, dass der Herzog ein grosses Turnier veranstaltet. Alle Ritter sind eingeladen, um Ehre und um die Gunst ihrer Angebeteten zu kämpfen. "Selbstverständlich werde ich teilnehmen! " verspricht Rudolf. Und nach zwei Wochen kehrt er mit seiner Gemahlin und einigen Leuten seines Gesindes reich beladen mit Siegerpreisen vom Turnier heim. Der Herbst ist Jagdzeit. Jetzt sind die Jungtiere alt genug, um ohne Muttertier überleben zu können.
Jetzt ist auch die Zeit, in der die Wintervorräte aufgefüllt werden müssen. Bald ist Martini, wenn die Hörigen und Freien ihre Steuerabgaben zu entrichten haben. Zwar gibt es dann viel Weizen, Roggen und Gerste, viel Eier und K„se, viel Äpfel und Birnen. Eine GeldSteuer verlangt Rudolf nur von den Handwerkern, nicht aber von den Bauern. Aber Fleisch gibt es nicht genug, denn der Ritter lässt seinen Untertanen die Jungtiere zur Nutzung. Also müssen die Burgbewohner ihre Fleischvorräte im Wald ergänzen. An das grosse Martini-Essen im Burghof will auch gedacht sein! Jedes Jahr sind dann alle Untertanen zum Fest geladen. Und gute Laune braucht nicht nur jungen Wein und gegorenen Apfelsaft! Auch gut gebratenes Fleisch gehört dazu.
Also geht Rudolf mit seinem Knappen und den Knechten zur Jagd. Auf der vornehmen Falkenjagd besteht die Beute aus vielen Fasanen, Hasen und Rebhühnern. Nach der Hetzjagd mit den Hunden gibt Rudolf einem kräftigen Hirsch den Todesstoss mit seinem Jagdspiess. Das Martini-Fest ist in vollem Gang. Ritter Konrad steht auf. Allm„hlich werden die Festenden ruhig. Ritter Konrad beginnt: " Es war ein gutes Jahr. Die Ernte war reich, die Jagd gesegnet. Ich danke Euch allen. Ihr habt mitgeholfen, dass wir den Winter gut überstehen und erst noch unseren Reichtum mehren konnten. Bitten wir Gott, dass er uns gnädig gesinnt ist und uns wieder ein Jahr ohne Krieg, Feuer, Unwetter und Tod beschert. Ich wünsche euch allen einen milden Winter!" ' Hurra- und Hochrufe begleiten ihn, als er die Festtafel verlässt und in den Palas zurückkehrt, um mit seinen Ehrengästen ein Brettspiel zu spielen.