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Sackpfeife


Der Ursprung der Sackpfeife reicht in die vorrömische Zeit zurück. Nach dem römi schen Geschichtsschreiber Sueton soll Kaiser Nero bereits das Dudelsackspiel beherrscht haben. Bis ins Mittelalter entstand ein Vielzahl von verschiedenen Sackpfeifen. Allen mittelalterlichen Sackpfeifen war gemeinsam:

  • Windbalg: Aus Schaf- oder Ziegenhäuten
  • Blasventil: Mit Einwegventil, damit die Luft beim Atemholen nicht aus dem Sack entweicht.
  • Bordunpfeife: Grundtonpfeife. Sie wurde erst vom 13. Jahrhundert an gebräuchlich.
  • Melodiepfeife: 8 Grifflöcher mit Daumenloch, 2 Stimmlöcher am unteren Ende
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Funktionsweise: Ein Sack oder Balg, meist aus Leder, wird über ein mit einem Ventil versehenes Rohr mit Luft gefüllt, die dann durch Druck, den der Spieler mit dem Arm auf den Sack ausübt, durch eine oder mehrere tönende Pfeifen ausströmt. In den meisten Fällen besitzt der Dudelsack eine, seltener zwei Spielpfeifen, auf denen eine Melodie gespielt werden kann. Dazu kommen, je nach Modell, eine bis vier sogenannte Bordunpfeifen, die einen stets gleichbleibenden, ununterbrochenen Ton von sich geben. Die Klangerzeugung geschieht immer durch Rohrblätter, und zwar entweder Doppel- (ähnlich der Oboe) oder Einfachrohrblättern (wie bei der Klarinette). Die Kombination der Melodie mit dem gleichbleibenden Klang des Borduns ergibt den charakteristischen "Sound" des Dudelsacks
Geschichte der Sackpfeife
Im Hochmittelalter werden Abbildungen von Sackpfeifen häufiger, so daß wir uns erstmals ein Bild über die äußere Gestalt der Instrumente machen können, wenn auch nicht über ihre Bauweise und wie sie gespielt wurden.

Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts erhalten wir exaktere Beschreibungen von deutschen Sackpfeifen.
Diese Sackpfeife verfügte über eine gerade Spielpfeife und ein oder zwei Bordunpfeifen, die über die Schulter des Spieler gelegt werden. Ihre Tonhöhe kann nur vor den Stück verändert werden. Sie wird fast immer zusammen mit einem Instrument der Schalmeienfamilie gespielt, seltener mit Drehleier oder anderen Instrumenten, auch anderen Sackpfeifen.

Die Sackpfeife, die im Hochmittelalter noch ein Instrument aller Stände war, ist also häufig in den niederen Schichten der Bauern und Schäfer, also der Landbevölkerung, zu finden.

Das sich ändernde Musikempfinden des Bürgertums läßt seit dem 18. Jahrhundert in vielen Regionen Europas die Sackpfeife in den Hintergund treten. Sie wird zum verachteten Instrument ungebildeter, hinterwälderischer Landbewohner. Am längsten hält sie sich in unwegsamen Gebieten, wo auch die sonstigen Errungenschaften der Zivilisation spät Einzug halten.


Im übrigen Europa ist die Entwicklung ähnlich.

Abgelegene Gebiete, die starrköpfig an überlieferten Traditionen festhalten, werden auch zum Herrschaftsgebiet der Sackpfeife und ihrer Musik:
  • in Frankreich die Bretagne
  • und die Regionen um das Zentralmassiv,
  • in Spanien das entlegene Galizien,
  • in Italien die Insel Sizilien
  • und die Bergregionen des Appennin,
  • in England die nördlichste Region Northumberland.

  • Schottland nimmt hierbei eine Sonderstellung ein, weil die dortige Sackpfeife den Status eines nationaltypischen Symbols errang und deswegen in allen Schichten breite Akzeptanz fand.


Die Gebiete sind in der Karte mit der gleichen Farbe eingezeichnet, wie oben die Textfarbe ist.