Geschichte » Mittelalter

Medizin


Die Krankenpflege auf der Burg gehörte zur Aufgabe der Frau. Ärzte gab es nur wenige, und sie wohnten oft weit entfernt von den Burgen. Daher musste die Frau des Burgherren nicht nur gebrochene Glieder schienen, sondern auch Heilverbände herstellen können. Dazu sammelte sie im Wald heilkräftige Kräuter und verfertigte daraus Salben, Arzneien und Pflaster. Manchmal besorgte sie sogar das Blutabzapfen und Schröpfen selbst. Viele solcher Heilmittel und Heilmethoden erscheinen uns heute lustig, wurden aber im Mittelalter angewendet:
  • Wenn du den Leib gründlich reinigen und abführen willst, so reibe zwanzig dürre, weichgesottene Zwetschgen durch ein Sieb, vermische sie mit Bittersalz und nimm davon alle zwei Stunden. Oder trinke Tee von Tausengüldenkraut und Wermut.

  • Man schützt sich vor Alpdrücken, wenn man sein Taschenmesser halb zugekIappt unter das Kopfkissen legt oder wenn man die Schuhe so vor das Bett stellt, dass sich ihre Spitzen berühren.

  • Wenn man das Schlucken und Rülpsen hat, so nehme man ein Glas Wasser, stelle eine Messerklinge darin und trinke.


  • Gegen das Reissen am Auge nehme man Regenwürmer, tue sie in ein Glas und lasse sie so lange darin liegen, bis sie eine flüssige Masse, Würmöl benannt, bilden und schmiere damit die Augen. Ein Hundebiss heilt nur wieder vollkommen, wenn man von dem betreffenden Hund Haare auf die Wunde bindet.

  • Bei heftigem Husten bindet man sich eine gebratene Küchenzwiebel so warm, als man nur vertragen kann, auf die Fussohle. Schneidet man einer ganz schwarzen Katze ein

  • Loch ins Ohr und lässt die Tropfen von ihrem Blut auf ein Stück Brot laufen und isst dieses, so hilft es gegen das Fieber.

  • Ein noch besseres Mittel gegen das Fieber ist es, von drei verschiedenen Friedhöfen Menschenknochen zu holen, sie zu Kohle zu brennen und dann fein gestossen mit Branntwein dem Kranken einzugeben.

  • Wer Gelbsucht erleidet, muss eine gelbe Rübe aushöhlen, seinen Harn hineinlassen und die Möhre alsdann in die Sonne hängen, bis sie trocknet, also wird er geheilt werden. Will man jemanden von der Trunksucht heilen, so muss man eine Kröte lebendig mit den Händen in zwei Stücke reissen, diese in einem irdenen Topf zu Asche brennen und dann dem Betreffenden, wenn er sich betrunken befindet, mit Branntwein vermischt eingeben.

  • Zahnschmerzen werden geheilt, wenn man im Beinhaus einen Zahn, den man einem Totenkopf ausbrechen muss, holt und in den Mund nimmt, aber um Mitternacht soll's geschehen.

  • Gegen Nasenbluten hilft, wenn man den kleinen Finger der linken Hand fest mit einem Faden zubindet. Wenn das nicht hilft, so nimm aus dem Gebeinhaus die Hirnschale eines Menschen, lege sie auf eine Röste, dörre sie und stosse sie zu Pulver. Trinke das Pulver in warmem Bier.

  • Um ein hohes Alter zu erreichen, musst du eine starke, gesunde Eiche bei Tag- und Nachtgleiche an der Wurzel aufgraben, diese anbohren und darunter Krüge stellen. Wenn du später nachgräbst, findest du die Krüge gefüllt mit dem Eichensaft, solcher aus den Zapfstellen geronnen ist. Wenn du davon trinkst, wirst du gesund und langlebend. Der Baum aber stirbt ab.

  • Baldriantee vor dem Schlafengehen ist gut gegen Vernunftsberaubung."

(Zitiert nach Hansen, Ritter)