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Speis und Trank


Die Hauptsache bei Festessen im Mittelalter bestand für Gast und Gastgeber nicht darin, wie gut oder schlecht das Mehl zubereitet war, sondern wie viel oder wie wenig es zu essen gab. Da kaum Möglichkeiten bestanden, Lebensmittel haltbar zu machen, mussten sie oft rasch konsumiert werden, was Anlass zu einem üppigen Mahl gab. In der Regel nahmen die Adligen täglich 3 Mahlzeiten ein: Das Frühstück bestand bei reichen Leuten zumeist aus Brot und Fleisch, Wein oder Glühwein; Butter wurde nur sehr wenig gegessen, häufiger hingegen Käse. Um die Mittagszeit (gegen 11 Uhr) nahm man nur eine kleine Zwischenmahlzeit zu sich. Sie bestand oft aus einer dicken Scheibe Brot, die in kleine Brocken zerteilt, in Bier oder Wein eingelegt wurde. Die wichtigste Mahlzeit des Tages bildete das Nachtessen, das man gegen 18 Uhr oder später einzunehmen pflegte. Dabei wurden mehrere Gänge serviert und verschiedene Getränke angeboten. Bei besonderen Anlässen wurden richtige Festmähler abgehalten. Bei einem solchen Festessen wurden zuerst die Tafeln (Tische) hereingetragen und gedeckt. Bevor die Gäste Platz nahmen, reichten Diener (Knappen) Schalen mit Waschwasser herum. Danach setzten sich die geladenen Gäste entsprechend ihrer Rangordnung. Ursprünglich speisten Damen und Herren getrennt, später setzte man sich jedoch in bunter Reihe zusammen. Unter Trommel- und Posaunenschall wurden anschliessend die Speisen aufgetragen.
Teller für die einzelnen Gäste gab es am Anfang nicht; die aufgetragenen Schüsseln waren in ihrer Grösse für mehrere Personen berechnet. Somit assen gute Freunde aus der gleichen Schüssel oder vom gleichen Stück Fleisch. Bei weniger vornehmen Essen wurden die Speisen auf dicken Brotscheiben serviert, die man nach dem Essen entweder dem Gesinde reichte oder den Hunden zum Frass vorwarf. Der Herr schnitt der Dame das Fleisch zurecht und reinigte dann das Messer wieder an seinem Brot. Gabeln wurden sehr selten benutzt; man ergriff die Speisen mit den Fingern und schob sich gegenseitig die besten Bissen in den Mund. Die Suppen wurden mit Löffeln gegessen; das wichtigste Besteck war das Messer. Ein solches Festessen umfasste 12 - 14 Gänge. Zwischen den einzelnen Speisen wurde Wein in Kannen serviert und aus Schalen oder Bechern (Holz, Zinn oder Silber) getrunken. Nach beendeter Mahlzeit reichten die Diener wieder Schalen mit Waschwasser herum und trugen alsdann die Tische aus dem Saal: die Tafel wurde aufgehoben. Die Herren blieben anschliessend noch zu einem gemeinsamen Trunk zusammen. Der Speisezettel der vornehmen Gesellschaft nahm sich recht reichhaltig aus. An Grundnahrungsmitteln waren mit Ausnahme der Kartoffel, die ein später aus Amerika eingeführt wurde, alle vorhanden. Von den Fleischsorten waren das fette Schweinefleisch neben dem Schaf- und Hammelfleisch am beliebtesten. Die ritterliche Gesellschaft zog natürlich frisch erlegtes Wild (Hirsch, Reh, Wildschwein oder Hase) vor. Gerne gegessen wurden auch Gänse- und Taubenbraten, Fasane, Wildenten und Reiher. Als besonderer Leckerbissen galt der eigentlich recht zähe Pfau. Fische wie Salm, Forelle, Hecht bezog man aus heimischen Gewässern, während der getrocknete Stockfisch aus nördlichen Ländern eingeführt wurde. Auf dem Speisezettel standen auch häufig Eiergerichte sowie Mehlspeisen und Gemüse. Brot wurde sehr viel gegessen und kam in Form von Semmeln, Brezeln, Fladen und Krapfen auf den Tisch. Als Nachspeise wurden einheimische Früchte aufgetischt. Geröstete Kastanien, Mandeln, Feigen und Datteln galten als besondere Leckerbissen. Alle Speisen wurden viel stärker gewürzt als heute. Pfeffer und Safran wurden in übermässigen Mengen genossen. Zum guten Essen genoss man vor allem Wein. Diesen trank man mit Pfeffer gewürzt oder mit Honig versetzt. Selten wurde Bier serviert; viel häufiger tranken die Gäste Met (gegorenes Honigwasser) oder Most.

Die zweizinkigen Gabeln kamen erst im 12. Jahrhundert auf Bis dahin - aber auch noch lange danach - ass man mit den Fingern oder spiesste das Essen mit der Messerspitze auf. Damit die Dame sich nicht schmutzig zu machen brauchte, bot ihr Tischnachbar ihr die Bissen an.

Tischregeln


  • Kein Edelmann soll mit einem andern zusammen von einem Löffel essen.

  • Beim Essen rülpst man nicht und schneuzt auch nicht in das Tischtuch.

  • Wer mit dern Löffel seine Speise nicht aufnehmen kann, der schiebe sie nicht mit den Fingern darauf.

  • Bevor man trinkt, wischt man den Mund, damit das Fett nicht in den Becher tropft.

  • Wie ein Kürschnerrneister schneidet, wer den Finger auf das Messer legt.

  • Auch ziemt es nicht, beim Essen auf den Tisch zu lümmeln.

  • Beim Essen kratzt man nicht mit blosser Hand, wenn es etwa an der Kehle juckt.

  • Kann man es aber nicht vermeiden, so kratzt man besser mit seinem Gewand.

  • Es ist bäuerliche Sitte, angebissenes Brot wieder in die Schüssel einzutunken.

  • Auch den Knochen, den man abgenagt hat, legt man nicht in die Schüssel zurück.

Wer gerade Essen im Mund hat, der trinke nicht wie ein Vieh."